Allgemein 10. September 2026

Radiopath – Kleines Side-Projekt

Liebe Ham’s, Freunde des Amateurfunks und Technikbegeisterte

Heute möchte ich euch ein Projekt vorstellen, an dem ich in den letzten Wochen gearbeitet habe: Radiopath. Es ist ein Werkzeug zur Planung von Funkstrecken und Abdeckungen, läuft im Browser und ist unter app.radiopath.org erreichbar.

Woher die Idee kommt

Wer schon einmal einen Relaisstandort geprüft, einen Richtfunk-Link über die Voralpen geplant oder einfach wissen wollte, ob der Sender im Nachbartal noch zu hören ist, kennt Radio Mobile Online von Roger Coudé, VE2DBE. Ich habe das Tool selbst jahrelang genutzt und schätze es sehr. Roger hat mit Radio Mobile einen Klassiker geschaffen, den unzählige Funkamateure, Relais-Betreiber und Hilfsorganisationen auf der ganzen Welt einsetzen, und das seit vielen Jahren kostenlos. Das ist eine enorme Leistung und verdient Respekt.

Gleichzeitig merkt man Radio Mobile Online sein Alter an. Die Bedienung stammt aus einer anderen Web-Generation, auf dem Handy ist es mühsam, und wer heute mit modernen Web-Anwendungen arbeitet, stolpert über die eine oder andere Ecke. Das ist keine Kritik an Roger, sondern einfach der Lauf der Zeit.

Ich wollte deshalb ausprobieren, wie sich das gleiche Konzept mit heutigen Mitteln umsetzen lässt. Herausgekommen ist Radiopath: ein unabhängiger Nachbau von Radio Mobile Online, geschrieben in Go. Radiopath ist kein Fork und verwendet keinen Code aus dem Original. Es orientiert sich aber bewusst an dessen Arbeitsweise, damit sich Umsteiger sofort zurechtfinden.

Was Radiopath kann

Der Funktionsumfang deckt heute die zwei Dinge ab, für die ich Radio Mobile am häufigsten gebraucht habe:

Punkt-zu-Punkt-Verbindungen. Zwei Standorte auf der Karte setzen, Frequenz, Leistung, Antennengewinn und Antennenhöhen eintragen, fertig. Radiopath zeichnet das Geländeprofil, rechnet die Streckendämpfung, zeigt die erste Fresnelzone und liefert das Link-Budget mit Empfangspegel und Reserve. Das Ergebnis gibt es zweimal: als Medianwert und als Pegel, der in 99 % der Zeit verfügbar ist.

Abdeckungen. Rund um einen Sender wird die Reserve als farbiges Raster über die Karte gelegt. Die Berechnung läuft im Hintergrund, mehrere Abdeckungen lassen sich übereinander legen und mit einem Regler ein- und ausblenden.

Dazu kommen ein paar Dinge, die mir im Alltag fehlten:

  • Antennendiagramme im MSI-Planet-Format, wie sie die Hersteller liefern. Ohne Datei reichen Gewinn, Öffnungswinkel und Vor-Rück-Verhältnis, daraus baut Radiopath ein brauchbares Sektordiagramm.
  • Waldverluste. Endet ein Link im Wald, wird die Baumhöhe entlang des Pfades aus einem globalen Vegetationsmodell gelesen und die Zusatzdämpfung nach ITU-R P.833 aufgeschlagen. Die Baumkronen erscheinen auch im Profil.
  • PDF-Berichte. Jeder Link und jede Abdeckung lässt sich als einseitiger A4-Bericht mit Profil, Karte und Ergebnistabelle ausdrucken.
  • Teilen per Link. Das ist mein Lieblingsfeature: Ein Klick auf «Share» erzeugt eine öffentliche URL, unter der jeder den Link oder die Abdeckung sieht, ganz ohne Account. Profil, Karte, Tabellen und der PDF-Bericht sind drin, aber nichts lässt sich verändern oder neu rechnen. Bei einer Abdeckung wird die Karte so veröffentlicht, wie ihr sie eingerichtet habt, inklusive Reichweitenkreisen und weiteren Abdeckungen darüber. Ein Bild mit mehreren Relais bleibt also ein Bild mit mehreren Relais. Der Link gilt 30 Tage, lässt sich verlängern und jederzeit widerrufen. Ideal, um im Club, im Relais-Team oder in einem Forum eine Planung zu zeigen, ohne dass alle zuerst ein Konto anlegen müssen.
  • Gemessene Pegel. Ein Link kann den auf der gebauten Strecke gemessenen Wert speichern. Die Differenz zur Vorhersage zeigt ehrlich, wie weit das Modell im eigenen Gelände daneben liegt.
  • Hell und dunkel. Das Design folgt der Systemeinstellung und funktioniert auch auf dem Handy.

Was unter der Haube steckt

Die Ausbreitung rechnet das Longley-Rice-Modell (ITM) der NTIA, das auch Radio Mobile verwendet. Ich habe die öffentliche Referenzimplementierung nach Go portiert. Als Höhenmodell dient das Copernicus GLO-30 mit 30 m Auflösung, weltweit. Die Vegetationshöhen stammen aus dem ETH Global Canopy Height Modell, gefiltert mit ESA WorldCover, damit nicht plötzlich auf dem Säntis-Gipfel 15 m hohe Bäume stehen.

Das Ganze ist eine klassische Server-Anwendung: Go, PostgreSQL mit PostGIS, die Karte kommt von OpenStreetMap über Leaflet. Kein JavaScript-Framework, dafür schnelle Seiten. Radiopath läuft bei mir in einem Kubernetes-Cluster; die Abdeckungsberechnungen verteilen sich auf mehrere Rechenknoten und skalieren bei Bedarf hoch.

Ehrliche Worte zum Stand

Radiopath ist in Entwicklung. Ich vergleiche die Modelle laufend mit gemessenen Strecken, und es kann sein, dass sich Ergebnisse zwischen Versionen noch verändern. Ein paar bekannte Grenzen:

  • ITM kennt keine Gebäude. In Städten sind die Vorhersagen ohne manuelle Zusatzdämpfung zu optimistisch.
  • GLO-30 ist ein Oberflächenmodell. Über dichtem Wald steckt ein Teil der Bäume bereits im Gelände, die Waldverluste sind darum eher eine Obergrenze.
  • Elevationsdiagramme und mechanischer Downtilt werden noch nicht modelliert.

Wer damit leben kann, darf sich gerne einen Account anlegen und loslegen. Die Registrierung ist offen, ein Konto fasst zurzeit 200 Standorte und 50 Abdeckungen. Accounts und gespeicherte Projekte können in dieser Phase ohne Vorwarnung zurückgesetzt werden, also bitte noch nichts darauf bauen, was ihr nicht verlieren wollt. (PS: Ich sage das auch wenn es extreeem unwahrscheinlich ist, dass ich hier was zurücksetzen muss)

Und Radio Mobile Online?

Bleibt, was es ist: das Original. Radiopath will es nicht ersetzen, sondern zeigen, wie derselbe Ansatz mit heutiger Technik aussehen kann. Wer Radio Mobile Online gewohnt ist, findet sich in Radiopath schnell zurecht, und wer bisher keinen Zugang hatte, hat jetzt eine zweite Möglichkeit, seine Strecken zu rechnen. Für Rogers Arbeit bin ich dankbar, ohne sie gäbe es dieses Projekt nicht.

Feedback erwünscht

Am meisten helfen mir jetzt gemessene Strecken: Wenn ihr einen Link in Radiopath rechnet und den tatsächlichen Pegel kennt, tragt ihn ein oder schickt mir einfach den Share-Link zusammen mit dem Messwert. So lernen wir gemeinsam, wo das Modell in unserem Gelände gut liegt und wo nicht. Fehler, Wünsche und Fragen nehme ich gerne per Mail entgegen.

Viel Spass beim Planen!

Vy 73 de HB9HIL


Links

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